Crashkurs: »Hashtags für die Verbandsarbeit«

An bzw. um das  letzte Wochenende tagten sowohl die Vollversammlung des Deutschen Bundesjugendrings als auch der Bundeskongress der Jungen Europäischen Föderalisten. Leider konnte ich an beiden Veranstaltungen nicht teilnehmen und versuchte deshalb nebenbei über die sozialen Medien ein paar Eindrücke zu erhaschen. Dies erwies sich leider als relativ kompliziert, da das zentrale Hilfsmittel um derartige Kommunikation aufzuspüren, sogenannte Hashtags, wenig und uneinheitlich genutzt wurden.

Kurzum ein guter Grund ein paar grundlegende Gedanken dazu für Veranstalter aufzuschreiben…

Was sind Hashtags?

Hashtags sind Begriffe, denen in sozialen Medien ein #-Symbol vorangestellt wird. Durch diese Auszeichnung wird der Begriff zu einem Schlagwort, das in der Weboberfläche und den meisten Anwendungen, automatisch verlinkt wird. Ein Klick auf diesen Link zeigt dann alle Kurznachrichten und Statusmeldungen, die mit diesem Schlagwort versehen sind, chronologisch absteigend sortiert an.

Welchen Nutzen bieten Hashtags?

Hashtags helfen dabei thematische Bezüge herzustellen und Kurznachrichten und Statusmeldungen aufzufinden. Sie bieten somit eine einfache Möglichkeit zielgerichtet Konversationen zu einem Thema aus dem Nachrichtenstrom von Kurznachrichtendiensten herauszufiltern.

Welche Sozialen Medien setzen Hashtags ein?

Twitter, Facebook, Google+, Instagram und zahlreiche andere.

Wie setze ich Hashtags ein?

Wer zum Beispiel über den Europäischen Rat twittert kann seine Nachrichten zum Beispiel mit dem Hashtag #euco versehen, dass gerne für Tweets zum Europäischen Rat (European Council) genutzt wird.

Zu beachten ist, dass Hashtags nur ein Wort umfassen. „#Europäischer Rat“ würde den Begriff also nur als Schlagwort „europäischer“ auszeichnen. Aus diesem Grunde, und weil bei Kurznachrichtendiensten die Zeichenanzahl oft begrenzt ist, wählt man Tags die aus einem Wort bestehen und oft Abkürzungen sind. In bestimmten »Communities« entstehen über die Zeit häufig implizite Konventionen zur Verschlagwortung.

Der gezielte Einsatz von Hashtags erhöht also potentiell den Leserkreis öffentlicher Nachrichten oder erlaubt es den Nachrichtenstrom thematisch zu filtern; vorausgesetzt die Autoren der Nachrichten verwenden Hashtags und sind sich der relevanten Konventionen bewusst.

Welchen Mehrwert bieten Hashtags für die Kommunikation von Veranstaltungen?

Durch den gezielten Einsatz von Hashtags können interessierte Personen der schriftlichen Kommunikation zu einer Veranstaltung folgen. Dies wäre ohne Einsatz von Hashtags nur dann möglich, wenn die Leser allen Autoren „folgen“ würden und bereit wären den ganzen Nachrichtenstrom nach derartigen Meldungen zu durchsuchen. Kurzum: Hashtags erhöhen die Reichweite und erlauben selektives Lesen.

Was heißt dies für mich als Veranstalter?

Wie oben gezeigt sind gemeinsame Konventionen wichtig damit Hashtags ihren Zweck erfüllen können. Veranstalter sollten sich deshalb vor der Veranstaltung ein Hashtag überlegen und dies zu Veranstaltungsbeginn und über die Veranstaltungsunterlagen kommunizieren.

Ein gutes Hashtag sie wie folgt aus:

  • Es sollte kurz sein, da manche Nachrichtendienste Längenbegrenzungen haben.
  • Es sollte einprägsam sein. Gängige Abkürzungen bilden eine gute Grundlage. Aussprechbare Hashtags sind solchen, die aus reinen Konsonanten bestehen i.d.R. vorzuziehen, da sie sich leichter kommunizieren und gerade wenn sie länger sind besser merken lassen. Abkürzungen und Wortneuschöpfungen mit selbsterklärendem Charakter tragen ebenfalls zur Einprägsamkeit bei.
  • Es sollte einheitlich über unterschiedliche Medien sein; also keine unterschiedlichen Tags für Facebook und Twitter!
  • Last but not least sollte es nicht von anderen genutzt werden. Natürlich sind Hashtags nicht exklusiv, aber Begriffe zu nutzen, die andere zur gleichen Zeit ebenfalls stark nutzen, führt dazu, dass der Begriff zum Filtern des Stroms nicht mehr geeignet ist.

All diese Kriterien zusammengenommen bedeutet dies zum Beispiel, dass für einen JEF-Bundeskongress #jefbuko ein gutes Tag wäre, da es aussprechbar und leicht zu merken ist, was nicht zuletzt daran liegt, dass es sich bestehender Konventionen bedient. JEF ist der offizielle Kurzname der Jungen Europäischen Föderalisten und BuKo wird in vielen Verbänden als Abkürzung für Bundeskongress genutzt.Die Tatsache, dass viele Verbände die Abkürzung BuKo nutzen, ist dann gleichzeitig auch die Begründung warum es Sinn macht „jef“ vorweg zu stellen, denn in der Tat am letzten Wochenende hatten gleich zwei Verbände einen Bundeskongress und der Tag #buko wurde in beiden Kontexten verwendet.

Für die Vollversammlung des DBJR hingegen wäre #dbjr vermutlich ausreichend, da keine andere Organisation diese Abkürzung regelmäßig nutzt. Zu Gunsten der Länge und Einprägsamkeit (nur Konsonanten und deshalb schlechte Aussprechbarkeit) macht es wenig Sinn noch „vv“ hinten anzufügen.

Das offizielle Tag der Europawerkstatt in diesem Jahr ist zum Beispiel #ews2013. Da #ews leider regelmäßig in anderen Kontexten verwendet wird, wird die Jahreszahl angefügt. Die vierstellige Fassung ist vermutlich leichter einprägsam, dass es schneller ersichtlich ist, dass es sich um eine Jahreszahl handelt, aber man hätte auch die Fassung #ews13 wählen können, die etwas schlechter einprägsam, aber dafür auch etwas kürzer ist.

Von Seiten der Veranstalter empfiehlt es sich, Meldungen in Medien, die keine enge Längenbegrenzung des Textes haben (z.B. Facebook), mit zusätzlichen sekundären Tags zu versehen. Denn viele Anwendern setzen Tags vermutlich nach eigenem Gusto und nicht nach der kommunizierten Konvention. So ist insbesondere in Facebook damit zu rechnen, dass Anwender #Europawerkstatt schreiben werden und das „offizielle“ Tag #ews2013 vielleicht eher seltener genutzt wird. Es sollte aber zu jeder Veranstaltung nur genau ein offizielles Hashtag geben und darum gebeten werden, dass dieses auch über Mediengrenzen hinweg genutzt wird.

Checkliste: Wie kommuniziere ich mein Hashtag?

  • Vor der Veranstaltung: Subtiler Hinweis zum Beispiel durch Integration ins Layout von Flyern und Einladungen.
  • Vor der Veranstaltung: Explizite Hinweise das Hashtag in Einladungen und allen Meldungen, die über soziale Medien verbreitet werden.
  • Hinweis auf das Tag in den Veranstaltungsunterlagen (sofern vorhanden).
  • Ein Hinweis bei der Eingangsmoderation.
  • Gegebenenfalls Einsatz einer Twitterwall in der Veranstaltung.
  • Über Twitter vom offiziellen Twitter-Konto der Organisation einen Hinweis posten; bei anderen Sozialen Medien wie Facebook oder Google+ ist hier möglicherweise mehr Zurückhaltung angebracht, da dort, je nach Zielgruppe, nicht zu viele Mitteilungen gesendet werden sollen.
  • Begleitende Kommentierung durch das Team geht mit gutem Beispiel voran.

Schauen wir mal, wie leicht dem #eudbuko nächste Woche zu folgen sein wird. 😉